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Khao Hom Mali: Thailands Duftreis im Fokus

Essen ist in Thailand weit mehr als nur Nahrungsaufnahme – es ist das wichtigste und liebste Thema im Alltag. Schon an der Begrüßung merkt man das: Thais fragen oft „Gin khao reu yang?“ (กินข้าวหรือยัง?) – „Hast du schon Reis gegessen?“ – ,noch bevor man über alles andere spricht.

Von thailändischen Freunden habe ich gelernt: Alles, was nicht mit Reis serviert wird, gilt nicht als „richtiges“ Essen. Ohne Reis ist es lediglich ging lenn – also Essen zum Spaß oder ein kleiner Snack. Reis hingegen ist nicht nur Nahrung, sondern das Herzstück jeder Mahlzeit und macht sie für die Thais erst vollständig.

Daran erkennt man deutlich die zentrale Rolle, die Reis im täglichen Leben und in der Esskultur Thailands spielt. Was wären all die köstlichen Currys ohne Reis – schlicht undenkbar.

Historischer Hintergrund

Reis gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Erste Anbauversuche lassen sich auf über 9.000 Jahre zurückdatieren, vor allem in China und Indien. In Thailand spielt Reis seit jeher eine zentrale Rolle: Er ist Grundnahrungsmittel, Symbol für Wohlstand und Gastfreundschaft.

Reisanbau Indien

In thailändischen Küchen herrscht oft quirliges Treiben – Knoblauch brät, Chilis schärfen die Luft, Woks klirren. Und mittendrin wartet leise und unscheinbar der eigentliche Star: Jasminreis.

Khao Hom Mali (auf Deutsch Duftender Jasminreis)

Die Welt kennt ihn als Jasminreis, doch sein eigentlicher Name ist Khao Hom Mali – Thailands berühmteste Reissorte. Entdeckt wurde er 1945 im Nordosten des Landes. Heute ist er sogar durch die Geographical Indication (GI) geschützt und darf ausschließlich in Thailand angebaut werden.

Besonders berühmt sind die Felder im Thung Kula Ronghai-Becken in Isan. Aus Böden, die früher karg und salzhaltig waren, haben die Menschen über Generationen fruchtbare Reisfelder geschaffen. Heiße Tage, kühle Nächte und der mineralreiche Boden verleihen dem Reis sein einzigartiges Aroma, die feine Süße und seine lockere, weiche Konsistenz.

Nur einmal im Jahr – im späten Herbst – wird er geerntet. Kein Wunder, dass Khao Hom Mali heute weltweit als der beste Duftreis gilt.

Glutenfrei, nährstoffreich und eng verbunden mit dem Leben der Menschen und der Natur. In ganz Thailand zeigen Köche und Hobbyköche, wie vielseitig dieser Reis ist: zu kräftigen Currys, in traditionellen Menüs oder einfach perfekt gedämpft als Herzstück einer Mahlzeit. Überall im Land wird dieser Reis gefeiert.

Thai Gerichte mit Reis

Ob in den kleinen Gassen Bangkoks oder auf den weiten Reisfeldern im Isan – Thailands berühmter Duftreis bringt Kultur, Gemütlichkeit und richtig gutes Essen zusammen. Sein sanfter, leicht pandanartiger Duft macht für die Thais erst das richtige „Zuhause-Gefühl“ aus.

Thailand ist einer der größten Reisproduzenten der Welt. Auf rund 10,6 Millionen Hektar wird Reis angebaut – vor allem im Nordosten (Isan), in Zentral- und Nordthailand. Jedes Jahr werden etwa 31 Millionen Tonnen Rohreis geerntet, darunter auch der berühmte Jasminreis, Khao Hom Mali.

Rund 8,7 Millionen Tonnen gehen davon in den Export, unter anderem nach Indonesien, die USA, Südafrika, Irak und China – das bringt Thailand rund 5 Milliarden US-Dollar ein.

Reispflanze

Reissorten allgemein

Weltweit gibt es über 120.000 verschiedene Reissorten, die sich in Farbe, Form, Geschmack und Anbaugebiet unterscheiden. Man teilt sie grob in drei Hauptgruppen ein:

Rundkornreis – z. B. Sushi-Reis oder Milchreis

Langkornreis – z. B. Jasminreis oder Basmati

Mittelkornreis – z. B. Risottoreis (Arborio) oder Paella-Reis

In Thailand allein wachsen mehr als 3.500 Sorten, wobei Khao Hom Mali die bekannteste und international am meisten geschätzte ist.

Die wichtigsten Reissorten Thailands

Duft- und Langkornreis

  • Khao Hom Mali (Jasminreis): Thailands berühmteste Reissorte – weich, locker, duftend. Stammt vor allem aus dem Nordosten (Isan).
  • Khao Dawk Mali 105: Eine spezielle Unterart des Jasminreises, besonders aromatisch.

Klebreis (Glutinous Rice / Sticky Rice)

  • Khao Niew: Klebrig, wird mit den Fingern gegessen, besonders im Norden und Isan beliebt.
  • Khao Niew Dum: Schwarzer Klebreis, leicht süßlich, oft für Desserts wie Mango-Sticky-Rice oder süße Puddings.
Das beliebte Dessert in Thailand: Sticky Reis Mango

Schwarzer und roter Reis

  • Khao Hom Nin: Schwarzer Reis, reich an Antioxidantien, leicht nussig im Geschmack.
  • Khao Deng (Roter Reis): Vollkornreis mit kräftigem Aroma, gesund und sättigend.

Spezialitäten

  • Khao Sangyod: Rote Reissorte aus Südthailand, oft für süße Gerichte verwendet.
  • Khao Kum: Dunkellila bis schwarzer Reis, selten und sehr nahrhaft.

Reiskörner als Glücksbringer bei Hochzeiten

Das Werfen von Reiskörnern auf das Brautpaar ist ein sehr altes Hochzeitsritual, das in verschiedenen Kulturen auf der Welt vorkommt, oft mit der gleichen Symbolik von Fruchtbarkeit, Wohlstand und Glück.

Vom Risotto zum Jasminreis

Für mich ist Reis pure Kindheitserinnerung. Als kleines Kind, wenn mein Kopf kaum an die Küchenarbeitsfläche reichte, habe ich meiner Mama zugeschaut, wie sie den Topf mit Risotto rührte.

Für meine schweizerisch-italienische Familie war Risotto immer mehr als nur ein Gericht – es war Wärme, Zuhause und ein Stück Kultur. Heute ist es für mich in Thailand der Jasminreis, der diese Rolle übernimmt. Er duftet, er verbindet und er gehört zum täglichen Leben.

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