Es ist nicht Thailand, das mich manchmal irritiert. Es ist das Benehmen mancher Farangs, das stört.
Manche Farangs benehmen sich, als sei Thailand ihr persönlicher Freizeitpark – rücksichtslos, selbstbezogen und komplett blind für die Realität.
Doch so funktioniert es nicht.
Thailand ist kein Freizeitpark. Es ist ein Land mit Hierarchien, mit Höflichkeit, mit einem feinen Gespür für Gesichtsverlust und Respekt. Lautstärke wirkt hier schnell grob. Ungeduld wirkt herablassend. Und wer sich benimmt, als wäre er „der Chef“, zeigt vor allem eines: dass er das Land nicht verstanden hat.
Besonders schwierig wird es, wenn sich manche Ausländer über „die Thais“ erheben – als wüssten sie alles besser, als wären sie überlegen. Dabei sind wir Gäste. Selbst wenn wir hier leben, bleiben wir es in gewisser Weise.
Respekt zeigt sich nicht im Reden über Kultur, sondern im eigenen Verhalten:
- Wie man sich kleidet.
- Wie man spricht.
- Wie man mit Menschen umgeht, die einem täglich begegnen.

Wir wohnen nahe der Old Town in einem Muban, einer geschlossenen Wohnanlage, in der kaum Farangs leben – mitten unter thailändischen Familien. Genau so haben wir es uns gewünscht. Wenn ich draußen Stimmen höre, ist es Thai, nicht Englisch, Deutsch oder Russisch. Für mich ist das einfach normal, schließlich lebe ich hier. In Thailand dominiert die thailändische Sprache – das versteht sich von selbst.
Was mir an manchen Farangs missfällt
Man sieht es immer wieder: Frauen im Bikini im 7/11, auf dem Motorroller oder auf dem Nightmarket. Männer – durchtrainiert oder mit Bauch – oben ohne auf dem Roller zwischen Schulkindern und Marktständen. Und ja, ich frage mich oft: Warum nur?
Es geht nicht um Moralpredigt und nicht um Prüderie. Es geht um Respekt. Thailand ist kein Strandresort, sondern ein Land mit Menschen, mit Familien, mit Alltag. Ein Bikini gehört an den Strand. Ein nackter Oberkörper an den Pool. Aber nicht in den Supermarkt, nicht in Wohnviertel und nicht in einen kulturellen Raum, in dem Zurückhaltung und äußere Würde einen hohen Stellenwert haben.
Wer zu Gast ist – oder hier lebt – sollte sich nicht nur fragen, was erlaubt ist, sondern was sich gehört. Respekt zeigt sich nicht in großen Worten, sondern in kleinen Gesten. Kleidung ist eine davon.
Thailand ist mehr als Strand, Tempel und Sonnenuntergang. Es ist ein Land mit eigener Geschichte, eigenen Regeln, eigener Würde. Wer hier lebt oder länger bleibt, merkt schnell: Man versteht Thailand nicht, wenn man alles mit der eigenen Brille bewertet.

Wie Thais Touristen wahrnehmen: Wer beliebt ist und wer eher nicht
Jeder Tourist ist anders – egal, woher er kommt. Dieses Ranking zeigt nur, wie Thais im Allgemeinen verschiedene Nationalitäten wahrnehmen, basierend auf Erfahrungen, Klischees und Verhalten.
Natürlich gibt es immer Ausnahmen: Nicht alle Schweizer sind ruhig, nicht alle Russen laut, und in jeder Nation gibt es die berühmten „schwarzen Schafe“. Es geht hier um Klischees und verallgemeinerte Eindrücke darüber, welche Touristen Thais eher mögen.
Touristen, die Thais tendenziell sympathischer finden
Japanische Touristen sind bei Thais besonders beliebt, weil sie höflich und zurückhaltend sind, die lokalen Regeln respektieren und selten für Ärger sorgen. Oft wirken sie schüchtern und etwas zurückgezogen, halten sich genau an die Regeln – was bei Thais den Eindruck hinterlässt: „Die sind vorbildlich, die machen alles richtig.“
Koreanische Touristen wirken oft freundlich und aufmerksam. Sie legen Wert auf ihr Auftreten, sind modebewusst und verhalten sich meist sauber und ordentlich – ein Verhalten, das bei Thais sehr positiv ankommt.
Schweizer / Skandinavier
Touristen aus der Schweiz oder Skandinavien fallen durch ihre Ruhe und Zurückhaltung auf. Sie sind oft diskret unterwegs, stören kaum andere und hinterlassen einen sehr ordentlichen Eindruck – für Thais ein Zeichen von Respekt und guter Erziehung.

Deutsche
Deutsche Touristen gelten als zuverlässig und gut organisiert. Sie planen ihre Ausflüge durchdacht, zahlen fair und halten sich meist an Regeln, was Thais den Eindruck vermittelt: „Die wissen, wie man sich respektvoll verhält.“
Italiener
Italienische Touristen gelten als temperamentvoll, gesellig und – sagen wir – nicht gerade leise. Wenn mehrere zusammen unterwegs sind, merkt man das schnell. Ihre lebhafte Art und ausdrucksstarke Kommunikation kann auf manche Thais etwas intensiv wirken. Gleichzeitig werden sie oft als herzlich, humorvoll und sehr offen erlebt.
Briten / Australier
Britische und australische Touristen werden vor allem in Party-Regionen als laut und fordernd wahrgenommen. Wer sich rücksichtslos verhält, kann bei Thais schnell den Eindruck erwecken, dass er meint, alles besser zu wissen.
Chinesen
Chinesische Touristen werden oft als laut und hektisch wahrgenommen. Sie können sehr direkt sein und wirken manchmal wenig rücksichtsvoll, auch wenn viele freundlich und aufgeschlossen sind. Thais nehmen sie daher zwiegespalten wahr: Einerseits geschätzt, andererseits als etwas anstrengend.
Russen
Russische Touristen wirken manchmal grob oder direkt, besonders in ihrem Auftreten. Laute und auffällige Verhaltensweisen fallen schnell auf, weshalb Thais sie manchmal vorsichtig oder kritisch einschätzen.
Franzosen
Französische Touristen gelten im Klischee manchmal als stolz oder etwas distanziert. Ihr selbstbewusstes Auftreten wird von manchen Thais schnell als Arroganz interpretiert – auch wenn dahinter oft einfach nur ein anderer Kommunikationsstil steckt.
Inder
Indische Touristen werden von manchen Thais durchaus kritisch gesehen. Häufiges, sehr hartnäckiges Handeln, starkes Preisdrücken oder ein sehr bestimmtes Auftreten – besonders in größeren Gruppen – wird teils als anstrengend oder fordernd empfunden.
Israelis
Israelische Touristen werden von manchen Thais ebenfalls durchaus kritisch gesehen. Ein sehr direktes, selbstbewusstes Auftreten, laute Kommunikation oder ein starkes Durchsetzen eigener Vorstellungen – besonders in Gruppen oder in Partyregionen – wird teils als fordernd oder wenig rücksichtsvoll empfunden.
Touristen aus dem Nahen Osten
Reisende aus dem Nahen Osten werden teils als großzügig und konsumfreudig beschrieben, besonders in Hotels und beim Shopping. Gleichzeitig können ein sehr bestimmtes Auftreten oder hohe Erwartungen bei Servicepersonal auch als anspruchsvoll wahrgenommen werden.
Thais empfinden es als etwas merkwürdig, wenn diese Besucher sehr stark parfümiert sind – besonders in der tropischen Hitze, wo intensive Düfte noch stärker wahrgenommen werden.

Warum Menschen manche Nationen sympathischer finden als andere
Oft sagen Thais: „Ich mag die Italiener, aber die Russen… naja.“ Dahinter steckt nicht nur Verhalten, sondern auch der Klang der Sprache selbst. Manche Sprachen wirken hart, laut oder direkt, und das kann unbewusst als unfreundlich oder einschüchternd wahrgenommen werden – selbst wenn die Person nett ist.
Sympathien entstehen also nicht nur aus Erfahrungen, sondern auch aus subtilen Eindrücken: Wie jemand spricht, wie seine Stimme im Alltag klingt, wie er lacht oder redet. Deshalb kann eine Nation in der Wahrnehmung manchmal „beliebter“ oder „weniger freundlich“ wirken, obwohl es in Wirklichkeit in jeder Nationalität freundliche und unangenehme Menschen gibt.
Eine einzige schlechte Erfahrung mit einer Person aus irgendeinem Land kann schnell dazu führen, dass wir unbewusst alle in dieselbe Schublade stecken. Das ist menschlich – unser Gehirn liebt einfache Muster.
Aber es ist eben nicht fair. Kein Mensch steht stellvertretend für ein ganzes Land. In jeder Nation gibt es höfliche, respektvolle Menschen – und auch solche, die anecken.
Deshalb sollte man mit Verallgemeinerungen sehr vorsichtig sein. Eine Begegnung ist nur eine Begegnung – nicht die Wahrheit über Millionen andere.
Entscheidend bleibt auch, dass es bei dieser Betrachtung nicht darum geht, irgendeine Nation pauschal als „gut“ oder „schlecht“ darzustellen. Jede Gesellschaft hat ihre Vielfalt, und es gibt immer Ausnahmen – sowohl positive als auch negative. Was hier beschrieben wird, sind lediglich allgemeine Tendenzen oder Eindrücke, die sich aus Beobachtungen ergeben, und keine endgültigen Bewertungen von Menschen oder Nationen.

Zu Gast im Land: Gepflogenheiten achten
Starten Sie mit kleinen Gesten. Ziehen Sie auf dem Motorroller ein T-Shirt an und achten Sie auf passende Kleidung – ein Tempelbesuch ist schließlich etwas anderes als ein Tag am Strand. Schultern und Knie bedeckt zu halten zeigt Respekt gegenüber der thailändischen Kultur.
Denken Sie daran: Daheim würden Sie im Sommer auch nicht im Bikini in den Supermarkt, mit nacktem Oberkörper in ein Schmuckgeschäft oder zum Sonntagsgottesdienst gehen. Thailand wird Ihnen so viel Freude bereiten, wenn Sie sich den Gepflogenheiten des Landes anpassen und offen für die Kultur sind.