Deutschland erlebte einen heißen Juni – für viele zu heiß. Ich nenne es Sommer.
Und trotzdem: Wären es jetzt 12 Grad und Dauerregen, wäre das Gejammer vermutlich genauso groß. Dann hieße es wieder: „Wo bleibt denn der Sommer?“ Über das Wetter zu schimpfen scheint in Deutschland fast schon ein Volkssport zu sein.
Ich bin ja nicht in Deutschland, sondern auf Phuket. Hier sind es rund 30 Grad – und gerade ist Regenzeit. Gleichzeitig ist Nebensaison, weshalb es deutlich ruhiger ist als in den Wintermonaten.
Natürlich regnet es in der Regenzeit. Manchmal prasselt es die ganze Nacht, manchmal einen halben Tag, und manchmal dauert ein Schauer gerade einmal fünf Minuten. Danach scheint oft schon wieder die Sonne.
Dennoch lebt man hier das ganze Jahr über im Sommermodus.
Man passt sich automatisch an, ohne groß darüber nachzudenken. Und genau in solchen Momenten fällt einem ein Phänomen auf, das in vielen heißen Regionen ganz selbstverständlich ist: Männer, die ihr T-Shirt hochrollen – der sogenannte „Beijing Bikini“ oder „Peking Bikini“.
Das beschreibt das Hochrollen oder Hochschieben des T-Shirts, sodass der Bauch frei wird – meist einfach, um sich bei Hitze etwas abzukühlen. Der Begriff stammt ursprünglich aus Beobachtungen in Beijing und hat sich später international verbreitet.
Der Ausdruck ist umgangssprachlich und oft auch humorvoll gemeint. In einigen Städten in China gab es später sogar Kampagnen dagegen, weil es im öffentlichen Raum als unerwünscht galt.
Männer, die ihr T-Shirt bis knapp unter die Brust hochrollen und mit freiem Bauch durch die Straßen gehen, Karten spielen, arbeiten oder einfach im Schatten sitzen – manchmal auch Handwerker, die mitten im Job kurz so durchatmen.
Mehr als nur Abkühlung
Viele Menschen gehen damit ganz pragmatisch um: Warum unnötig schwitzen, wenn ein bisschen Stoff weniger schon hilft? Das Hochrollen des Shirts ist selten ein Statement, sondern eher eine einfache Art, sich bei Hitze wohler zu fühlen.
Gerade in Thailand sieht man das oft bei älteren Männern, für die es völlig normal ist, so mit der Wärme umzugehen. Auch die jüngere Generation macht da längst mit.
Für viele ältere Generationen ist es nichts Besonderes – keine Pose, keine Inszenierung, sondern einfach Alltag und Routine.
Der Moment, in dem es zum „Phänomen“ wurde
Seinen Ursprung hat der Name in Beobachtungen aus dem öffentlichen Leben in der chinesischen Hauptstadt Beijing. Besonders in heißen Sommermonaten war dort häufig zu sehen, dass Männer ihr T-Shirt hochrollen und den Bauch frei lassen, um sich bei hohen Temperaturen etwas abzukühlen.
Lange war das ein lokales, alltägliches Bild.
Dann kamen Smartphones, soziale Medien und Reisefotografie.
Plötzlich tauchten solche Szenen weltweit auf. Aus einer ganz normalen Gewohnheit wurde ein wiedererkennbares Internet-Phänomen.
Ein Verhalten, viele Orte
Dabei ist das Verhalten selbst gar nichts Exotisches. In vielen warmen Regionen der Welt sieht man ähnliche Dinge: hochgekrempelte Shirts, offene Hemden, improvisierte Lösungen gegen die Hitze.
Der Unterschied ist weniger das Verhalten selbst, sondern dass es einen Namen bekommen hat – und damit plötzlich auffällig wurde.

Und dann kommt der Körper ins Spiel
Und während solche Begriffe diskutiert werden, passiert im Alltag etwas sehr Einfaches: Menschen reagieren auf Hitze.
Ist das T-Shirt-Hochrollen auch in Deuschland normal geworden?
Das ist kein Trend und kein Stil. Eher ein stilles Nachgeben gegenüber der Temperatur.
Der Begriff „Beijing Bikini“ klingt dabei fast wie ein kulturelles Etikett für etwas sehr Menschliches: Wenn es heiß ist, wird Kleidung einfach nebensächlich.
Mai pen rai – weniger Ärger, mehr Leben
Die nächste Hitzewelle in Deutschland kommt bestimmt. In Thailand würde man dazu nur sagen: „Mai pen rai.“
Dieser kleine Satz hat viele Bedeutungen – eine davon könnte auch Ihnen guttun: mehr Gelassenheit im Umgang mit dem, was Sie ohnehin nicht ändern können. Hören Sie auf, sich über Dinge zu ärgern, die Sie ohnehin nicht ändern können.
Stau auf dem Heimweg? Mai pen rai. Der Wetterbericht kündigt schon die nächste Hitzewelle an? Mai pen rai. Der Schattenplatz im Café ist längst besetzt? Mai pen rai.
Besonnenheit senkt zwar nicht die Temperaturen – aber sie macht heiße Tage oft deutlich angenehmer.

Das ist leichter gesagt als getan – vielleicht auch, weil es ein Stück weit zur deutschen „DNA“ gehört, Dinge kritisch zu sehen und sich schnell zu ärgern. Und doch: Ein Versuch ist es wert. Es tut niemandem weh, sich in solchen Momenten ein bisschen mehr Gelassenheit zu erlauben. Im Gegenteil – es hilft am Ende vor allem Ihnen selbst und Ihrem inneren Gleichgewicht.
Bei der nächsten Hitzewelle gilt: Mai pen rai – T-Shirt hochrollen, entspannen und den Sommer einfach Sommer sein lassen.